Kultur und Interkulturelles

Die Bedeutung und Definition des Begriffs Kultur ist so vielfältig wie Kultur selbst. Jedes Fachgebiet, von der Biologie über die Kunst bis hin zur Soziologie, hat ein anderes Verständnis davon, was Kultur bedeutet. Dementsprechend vielfältig sind auch die Ansätze, wenn es um die Definition von Interkulturellem geht. Deshalb möchten wir an dieser Stelle kurz auf unser Verständnis von Kultur und Interkulturellem eingehen.

Wir sehen Kultur als die Lebenswelt von Menschen. Der von uns verwendete Kulturbegriff beschreibt somit keine (bzw. nicht nur) geschaffenen Ideen und Werke im Sinne einer Hochkultur, sondern bezieht sich vor allem auf die Lebenswirklichkeit von Gruppen und zwischenmenschliche Beziehungen. Im Laufe der Zeit verfestigen sich hier durch gemeinsame Erfahrungen und Lernprozesse Handlungen und Erwartungen, was den Beteiligten Sicherheit und Orientierung bietet. Die Handlungen des Gegenübers erscheinen dadurch normal, relevant und plausibel.

Interkulturelle Situationen hingegen sind durch Unsicherheitserfahrungen geprägt. Hierbei treffen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen aufeinander, die verschiedene Vorstellungen davon haben, was normal und plausibel ist. Wenn man nicht genau weiß, was von einem erwartet wird oder wie man sich angemessen in einer Situation verhalten soll, kann dies schnell Verunsicherung hervorrufen. Als Folge darauf kommt es zu einem „Aushandlungsprozess“, in dem versucht wird, Regeln für die gemeinsame Interaktion festzulegen und dadurch wieder Sicherheit zu schaffen. Derartige Prozesse können oft beobachtet werden, wenn Menschen unterschiedlicher Nationalitäten aufeinandertreffen; allerdings sind interkulturelle Situationen nicht nur auf den internationalen Kontext beschränkt.

Die wenigsten Menschen würden sich wohl ausschließlich über ihre Staatsbürgerschaft definieren. Familie, Vereine, Freunde, Arbeit, Hobbies – sie alle sind wichtige Teile unserer Lebens und machen uns zu der Person, die wir sind. Je nachdem, wo wir gerade sind, werden jedoch andere Dinge als normal angenommen: So kann ein Verhalten, das im Freundeskreis als liebevoller Scherz wahrgenommen wird, unter Kollegen am Arbeitsplatz deplatziert wirken. Außerdem gibt es immer wieder Wissensunterschiede: Während man sich im Fußballverein mit seinen Freunden ausgiebig über Torlinientechnik und Profi-Transfers unterhalten kann, führt ein Gespräch über Zellkulturen und Petri-Schalen vielleicht schnell zu verwirrten Blicken. Jede Gruppe, der wir uns zugehörig fühlen, hat also ein eigenes Set von Spielregeln und Konventionen – man könnte auch sagen, eine eigene Kultur. Interkulturelle Situationen sind deshalb nicht auf internationale Begegnungen beschränkt, sondern Teil unseres Alltags. Wenn wir lernen, sie als Chance zu begreifen, können wir uns selbst weiterentwickeln und in der Zusammenarbeit mit anderen ungeahnte Potenziale entdecken.

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